Oettinger Bachorchester
Open Air Konzert im Innenhof des Residenzschlosses, bei schlechter Witterung im Festsaal

Sonntag, 07. Juli 2019, 19.00 Uhr

Solisten: Nördlinger Bachtrompeten Ensemble
Leitung: Günter Simon

J.S. Bach:   Orchestersuite Nr. 3 D-Dur, BWV 1068
G.Ph. Telemann: Concerto D-Dur für 3 Trompeten und Orchester TWV 54:D4
 F. Mendelssohn-Bartholdy:   Sinfonie Nr. 4 A-Dur, op. 90 „Italienische“


PERSONALIA:
Die drei Trompeter Rainer Hauf, Paul Lechner und Armin Schneider treten als geschlossenes Team auf, bei dem alle Stimmen gleichwertig besetzt sind. Die drei schwäbischen Profitrompeter konzertieren seit 2004 zusammen und werden von zwei festen Organisten – Klaus Ortler und Thomas Rothfuß – sowie dem Paukenspieler und Sänger – Tom Lier – begleitet. Mit bisher über 200 Auftritten, vorwiegend im süddeutschen Raum, entfaltet das Nördlinger Bachtrompeten Ensemble eine rege Konzerttätigkeit. Neben Auftritten bei Oratorien und Kantaten von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel zeigt das Ensemble zusammen mit Pauken und Orgel vor allem bei Kirchenkonzerten sein musikalisches Engagement. Die Nördlinger Bachtrompeter greifen auf mehr als 100 eigene Bearbeitungen aus verschiedenen Stilepochen zurück, die ganz auf die Stärken des Ensembles zugeschnitten sind.5 7Juli erstes Foto

Günter Simon studierte zunächst Schulmusik und absolvierte anschließend das Konzertdiplom im Fach Violine an der Hochschule für Musik in Würzburg. Seit 2001 arbeitet er als Musikfachbetreuer am Albrecht-Ernst-Gymnasium in Oettingen. Für die herausragende Ensemblearbeit vor allem mit Streicherklassen wurde das Gymnasium mit dem Europäischen Schulmusikpreis 2013 und dem 8. Donau-Rieser Heimatpreis 2014 ausgezeichnet. Seit März 2016 ist Günter Simon Erster Vorsitzender des Kuratoriums Oettinger Residenzkonzerte e.V.

Das Oettinger Bachorchester wurde 1995 von Günter Simon gegründet, der seitdem das Ensemble als Konzertmeister oder Dirigent leitet. Es besteht hauptsächlich aus befreundeten professionellen Musikern (z. B. den oben genannten Trompetern) sowie Musikstudenten der Hochschule für Musik Würzburg. Bemerkenswerte Aufführungen zusammen mit verschiedenen Chören waren in den letzten Jahren die Johannespassion und die Matthäuspassion sowie das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach und die Oratorien von Felix Mendelssohn Bartholdy. Beim ersten großen Klassik-Open Air-Konzert 2018 waren weit über 500 Zuhörer im Oettinger Residenzhof zu Gast.5 7Juli zweites Foto

WERKBESCHREIBUNGEN:
Im frühen 18. Jahrhundert grassierte an den deutschen Residenzen ein wahres Frankreich-Fieber. Der Adel baute französisch, sprach französisch und wollte am liebsten auch die Opern des berühmten Jean-Baptiste Lully aufführen lassen. Da sich die deutschen Kleinstaaten den Prunk von Versailles nicht leisten konnten, begnügte man sich mit Orchestersuiten oder „Ouvertüren“, wie sie nach ihrem umfangreichen ersten Satz genannt wurden. Darauf folgten stilisierte Tänze, schließlich spielten die Ballette in der französischen Oper eine große Rolle. Ein Highlight der Barockmusik ist die dritte Orchestersuite von Johann Sebastian Bach, die wohl für den Hof von Köthen gedacht war. Vor allem der zweite Satz, der mit „Air“ überschrieben ist, darf heute auf keinem Sampler für Barockmusik mehr fehlen. Der ruhig-besinnliche Streichersatz dient als Gegenstück zu dem mit Holz- und Blechbläsern besetzten pompösen Einleitungssatz.

Von Georg Philipp Telemann sind nahezu 100 Instrumentalkonzerte überliefert. Unter ihnen befindet sich eine erstaunlich hohe Zahl an Bläserkonzerten. Außer den Solokonzerten gibt es eine Reihe von Gruppenkonzerten für mehrere Instrumente. Telemann war weniger die virtuose Gestaltung der Solistenpartien wichtig, sondern eher deren Sanglichkeit. „Singen ist das Fundament zur Musik in allen Dingen“, schrieb er in seiner Autobiografie von 1718.

Ein Werbespot für Mineralwasser, der vor ein paar Jahren im Fernsehen lief, wurde mit den Anfangstakten aus der „Italienischen Sinfonie“ von Felix Mendelssohn Bartholdy untermalt: Die Musik in ihrer sprudelnden Frische, ihrer Leichtigkeit und ihrem vorwärtsdrängenden Charakter schien dem Werbedesigner offenbar genau geeignet, dem Publikum einen akustischen Eindruck von seinem ebenso sprudelnden, frischen wie leichten Produkt zu vermitteln. Diese Leichtigkeit war allerdings das Resultat harter Arbeit: Wie üblich war Mendelssohn sehr lange unzufrieden mit seinem Stück und hatte Jahre daran gefeilt. Die anderen drei Sätze wären für Mineralwasser-Spots ungeeignet. Der langsam-feierliche zweite Satz basiert auf dem Lied „Es war ein König in Thule“. Er ist eine Hommage an Goethe und an Mendelssohns Kompositionslehrer Carl Friedrich Zelter, von denen Text und Musik dieses Liedes stammen. Das Finale der Sinfonie ist zwar rasch und wirbelnd, aber es hält bis zuletzt an seiner dunklen Moll-Grundierung fest. Die wesentlichen Ideen der Sinfonie notierte Mendelssohn 1830/31 auf seiner lang ersehnten Italienreise: im 18. und 19. Jahrhundert gehörte die „Kavalierstour“ nach Italien zum Pflichtprogramm des Adels und des gehobenen Bürgertums. Der Dom von Florenz, die Kunstschätze der Renaissance in den Uffizien, die antiken Bauwerke und der Petersdom in Rom – all das musste man mit eigenen Augen gesehen haben, wenn man gesellschaftlich etwas gelten wollte. Mendelssohns Durst nach Bildung und seine Besichtigungswut sollen enorm gewesen sein. Erstaunlich, dass er neben dem ausgiebigen Sightseeing noch Zeit fand, sich so intensiv dem Komponieren zu widmen.


PROGRAMM:
Johann Sebastian Bach (1685–1750)
Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068

Ouvertüre
Air
Gavotte I/II
Bourrée
Gigue

Georg Philipp Telemann (1750–1792)
Konzert für 3 Trompeten, Pauken und Orchester D-Dur TWV 54:D4

Largo
Allegro
Adagio
Presto

*** PAUSE ***

Felix Mendelssohn (1809–1847)
Sinfonie Nr. 4 A-Dur op. 90 “Italienische”

Allegro vivace
Andante con moto
Con moto moderato
Saltarello. Presto