ecco la musica (Ensemble für Musik des Barock)

Samstag, 05. Oktober 2019, 20.00 Uhr
Solisten: Kai Wessel, Altus – Daniel Schreiber, Tenor – Felix Schwandtke, Bass
Andreas Pilger & Eva-Maria Röll, Barockvioline
Matthias Sprinz, Cas Gevers, Bastian Greschek, Barockposaune
Heike Hümmer, Viola da gamba & Violone
Rien Voskuilen, Orgel

Leitung: Heike Hümmer & Matthias Sprinz

Geistliche Harmonien (frühbarocke Kantaten und Instrumentalmusik von J. M. Nicolai (1629-1685, dem Grafen Albrecht Ernst von Oettingen gewidmet)  


PERSONALIA:
Inhaltliche Schwerpunkte der Arbeit des Ensembles ecco la musica sind die italienische Musik des 17. Jahrhunderts und die daraus erwachsende deutsche Musikkultur des frühen und hohen Barock. Alle Ensemblemitglieder haben sich intensiv mit den musikalischen Aufführungspraktiken des 16. bis 18. Jahrhunderts beschäftigt, sich auf das Spiel historischer Instrumente und deren alte Spieltechniken spezialisiert. 1987 von Matthias Sprinz gegründet, seit einigen Jahren von Heike Hümmer und Matthias Sprinz geleitet, tritt das Ensemble je nach Programm in einer Besetzung mit drei bis siebzehn Instrumentalisten und Sängern im In- und Ausland auf. Höhepunkte ihrer Arbeit waren u.a. die Mitwirkung beim Monteverdi-Zyklus der Frankfurter Oper und beim Bodenseefestival. 2 CDs mit Werken von J.M. Nicolai und J.S. Welter als Weltersteinspielungen wurden beim SWR eingespielt. Weitere CD-Einspielungen von ecco la musica gibt es u.a. mit dem Knabenchor Hannover (WDR) und der Münchner Dommusik. Weitere Informationen: www.ecco-la-musica.de7 5Oktober

WERKBESCHREIBUNGEN:
1669 wurden die „Geistlichen Harmonien“ von Johann Michael Nicolai in Frankfurt a.M. gedruckt. Nicolai verwirklichte in seiner einzigen gedruckten Kantatensammlung ein gemeinsames Musizieren und Concertieren der Vokal- und Instrumentalstimmen als Abbild der Himmlischen Music, wie er sie in seiner Widmungsrede an Albrecht Ernst I. Fürst von Oettingen-Oettingen (1642 – 1683) beschreibt.

Die Kantaten sind alle mit 3 Vokalstimmen und 2 Violinen und Basso continuo komponiert. Bei der heutigen Aufführung werden die Vokalstimmen an verschiedenen Stellen durch Posaunen verstärkt. Dies entspricht einer gängigen Praxis in der geistlichen Musik des frühen Barock. Nicolai verwendete in seinen Geistlichen Harmonien stets Psalmtexte, die beiden letzten in lateinischer Sprache. Alle weiteren Vokalwerke Nicolais existierten ausschließlich handschriftlich: z.B. in Stuttgart, Danzig, Stettin, Leipzig, Rudolstadt, Straßburg, mitunter in sehr beachtlicher Anzahl. So sind beispielsweise in einem Ansbacher Archiv aus dem Jahre 1686 fünfzig Kantaten aus Nicolais Feder aufgeführt!

Johann Michael Nicolai gehörte über 30 Jahre zu den prägenden und auch überregional bekannten Musikern der Stuttgarter Hofkapelle. Der vermutlich 1629 im Weimarer Land (Oßmanstedt-Ulrichshalben) geborene Musiker wirkte zunächst in der Hofkapelle des Herzogs Julius Heinrich zu Sachsen-Lauenburg, von wo aus er nach eigenen Angaben oft an den Hof des Markgrafen zu Brandenburg-Bayreuth kam. 1655 wurde er als Instrumentalist für den „Großen Violon“ (entspricht dem Kontrabass) am Stuttgarter Hof angestellt. Hier verblieb er bis zu seinem Tode am 26. Januar 1685.
Nicolai scheint innerhalb der Hofkapelle eine besondere Stellung eingenommen zu haben. So unterrichtete er zeitweise auch die Chorknaben und übernahm damit eine Aufgabe des Hofkapellmeisters. Außerdem trafen sich in seinem Hause weitere Hofmusiker zu einem regelmäßigen „exercitium musicum“, wobei „zerschiedene musicalische Stückh probihrt“ wurden. Nicolais Instrumentalwerk lässt eine besondere Vorliebe für sein eigenes Instrument, die Viola da gamba erkennen. Interessante Sonaten für zwei bis drei Violen da gamba oder Besetzungen mit Violinen und Violen da gamba von Johann Michael Nicolai sind uns erhalten geblieben. Die Kombination von Violine und Viola da gamba war in der deutschen Musik des frühen und hohen Barock sehr beliebt in der damals noch jungen Gattung der Sonate, die von Italien nach Deutschland kam. In einigen seiner Sonaten vermerkt Nicolai in der entsprechenden Stimme „Viola da gamba ò Trombon“. Diese Partien sind ein Zeugnis für die hohe Kunst des Posaunenspiels im 16. und 17. Jahrhundert. Nicolais Instrumentalwerke finden sich in allen bedeutenden Sammlungen ihrer Zeit von England über Paris bis Uppsala.
Die Musik Johann Michael Nicolais drückt häufig ein Vertrauen in die Güte Gottes aus und ist geprägt von innigen und affektvollen Wort-Ton-Beziehungen. Man scheint noch heute die Dankbarkeit an Gott zu spüren, die schwierigen Zeiten des 30-jährigen Krieges überlebt zu haben.

Ausführliches Programm und Gesangstexte liegen beim Abendkonzert auf den Plätzen.